Use Case · 03

Support-Tickets per KI analysieren & nach Priorität routen

Nicht jedes Ticket verdient die gleiche Behandlung. Claude liest jede eingehende Anfrage, erkennt kritische Fälle und trennt den Prozess in zwei Pfade: sofortige Eskalation oder KI-Entwurf mit menschlicher Prüfung.

Claude BPMN 2.0 XOR-Gateway Camunda Cloud (Zeebe)

Konkret umgesetzt auf Camunda Cloud (Zeebe 8) — der Modellierungsansatz überträgt sich 1:1 auf Operaton.

Prozessübersicht — KI-gestütztes Support-Ticket-Routing
●
Ticket eingegangen
→
✦ Claude
analysiert
→
✕
Kritisch?
→
Eskalation /
Review
Human Task
→
E-Mail
Antwort senden
→
◉
Abgeschlossen

Das Problem

Wer ein zentrales Support-Postfach betreibt, kennt das: harmlose Rückfragen landen neben Tickets, die sofort jemanden brauchen. Ohne systematische Priorisierung entscheidet oft die Reihenfolge im Postfach statt die tatsächliche Dringlichkeit — und ein kritischer Fall wartet im schlimmsten Fall genauso lang wie eine Standardanfrage.

Der automatisierte Ablauf

  1. 01Ticket-Eingang startet den Prozess. Jedes neue Ticket startet eine eigene Prozessinstanz.
  2. 02Claude analysiert das Ticket. Ein Service Task ruft Claude auf, das Betreff und Text liest und daraus Kategorie und Priorität ableitet — insbesondere, ob es sich um einen kritischen Fall handelt.
  3. 03XOR-Gateway entscheidet über den Pfad. Die Bedingung priority = "critical" trennt zwei völlig unterschiedliche Bearbeitungswege.
  4. 04Kritischer Pfad: sofortige Eskalation. Der Senior-Support wird direkt benachrichtigt und übernimmt als Human Task — kein Umweg über einen KI-Entwurf, keine Verzögerung.
  5. 05Standard-Pfad: KI-Entwurf mit Review. Claude erstellt einen Antwortvorschlag, das zuständige Team wird benachrichtigt und prüft die Antwort als Human Task, bevor sie rausgeht.
  6. 06Zusammenführung und Versand. Beide Pfade laufen im Gateway wieder zusammen, die Antwort wird per E-Mail verschickt und das Ticket gilt als abgeschlossen.

Warum zwei getrennte Pfade?

Der Reiz liegt in der bewussten Asymmetrie: Ein kritisches Ticket verliert keine Zeit mit einem KI-Entwurf, den ohnehin niemand in Ruhe liest — es geht direkt an einen Menschen. Ein unkritisches Ticket profitiert dagegen vom Zeitgewinn eines KI-Entwurfs, weil hier Sorgfalt vor Geschwindigkeit geht. Diese Unterscheidung lässt sich in einem einzelnen linearen Workflow kaum sauber abbilden — das XOR-Gateway macht sie explizit und nachvollziehbar.

Das echte BPMN-Modell

So sieht der Prozess im Camunda Modeler aus — mit beiden Pfaden, der Gateway-Bedingung und allen Aufgaben im Original.

BPMN-Diagramm: KI-gestütztes Support-Ticket-Routing mit Gateway-Verzweigung nach Priorität

DSGVO-Einordnung

Der Prozess verarbeitet an zwei Stellen personenbezogene Daten außerhalb des eigenen Systems: wenn Claude das Ticket analysiert (Task_AnalyzeTicket) und wenn Claude den Antwortentwurf erstellt (Task_GenerateResponse). Beides sind faktisch Übermittlungen an einen externen Verarbeiter — das lohnt sich, sauber durchzudenken, bevor der Prozess mit echten Kundendaten läuft:

  • Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO): Für die kommerzielle API-Nutzung braucht es einen AVV mit dem KI-Anbieter, bevor personenbezogene Daten fließen.
  • Drittlandtransfer: US-Anbieter wie Anthropic erfordern eine Rechtsgrundlage für die Übermittlung — Standardvertragsklauseln und/oder eine aktuelle Zertifizierung, im Einzelfall am jeweiligen Vertrag zu prüfen.
  • Datenminimierung: Nicht zwingend muss der komplette Ticket-Text raus — wenn für die Klassifizierung z. B. der Absendername nicht gebraucht wird, lässt er sich vorher rausfiltern.
  • Speicherung & Training: Klären, wie lange Prompts und Antworten beim Anbieter vorgehalten und ob sie fürs Modelltraining verwendet werden — gehört ins Verarbeitungsverzeichnis (Art. 30).
  • Art. 22 DSGVO — hier unkritisch: Der Prozess trifft nie eine vollautomatische Entscheidung, die Kund:innen direkt erreicht. Kritische Tickets gehen an einen Menschen, unkritische durchlaufen einen Human Task, bevor überhaupt etwas verschickt wird.
  • Transparenz (Art. 13/14): Sobald echte Kundendaten fließen, gehört der KI-Anbieter als Verarbeiter in die eigene Datenschutzerklärung.

Keine Rechtsberatung — das sind die Punkte, die ich an dieser Stelle prüfen würde, bevor so ein Prozess produktiv mit echten Daten läuft.

Geplante Inhalte

  • Formulardefinitionen für die beiden Human Tasks (kritische Eskalation & Review)
  • Beispiel-Implementierung der Service-Task-Worker (Claude-Anbindung, E-Mail-Versand)
  • Variante mit DMN-Entscheidungstabelle statt fester Gateway-Bedingung
✦ Artikel in Vorbereitung

Diese Seite wird laufend ausgebaut. Landen bei euch noch alle Anfragen unsortiert in einem Postfach? Ich unterstütze auch individuell bei der Umsetzung — schreib mir: normankoss22@gmail.com